Bali – Cocos Keeling – Mauritius –
Richards Bay (Südafrika)
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Seit Bali legten wir 5173 nm zurück, eine lange Strecke und seglerisch sehr anspruchsvoll.

Der erste Abschnitt war schönes, schnelles Segeln mit Tagesstrecken zwischen 170 und 180 nm. Der langgezogene SW-Schwell des Indischen Ozeans betrug um die 2 Meter, darüber lagerten sich die Windwellen. Es schaukelte recht auf und ab, aber diesmal wurde ich nicht seekrank. Entweder habe ich mich schon an die Wellen ge- wöhnt  oder mein Medikamtenmanagement war optimal. Auf den Nachtwachen am Steuer konnte ich den Sternenhimmel geniessen, der nun zunehmend bekannte Sternbilder der nördlichen Hemisphäre, wie Leier, Adler und Orion zeigt. Noch immer aber ist der Orientierungspunkt das Kreuz des Südens.

Ich hatte auch Zeit über meine Indonesien Eindrücke (insbesonders Bali) zu philoso-phieren. Ich (wir) bekommen eine ganz andere Perspektive. Wir betreten die Inseln wie durch eine Hintertür. Der Normal-Tourist kommt am Flughafen an, wird vom Hotelbus oder Taxi zu seinem Hotel gebracht, wo er in wunderschöner Umgebung mit Park und Swimmingpools, sauberem Sandstrand mit aller erdenklichen Infrastruk-tur, abendlichen Festessen und Tänzen seine Ferien geniesst. Die Touren ins Lan-desinnere sind wohlorganisiert und klimatisiert.

Wir laufen einen Hafen an, liegen vor Anker oder am Quai zwischen Fischerbooten. Die Einheimischen sind unsere Nachbarn. Wir leben mitten im Alltag der lokalen Be-völkerung, der oft schmutzigen und armen Kehrseite der Inseln/Länder.

Alle wollen uns einen Dienst anbieten, Diesel bringen, Wasser beschaffen, Wäsche waschen oder uns als Soziusfahrer auf dem Töfftaxi irgendwohin bringen. Die Englischkenntnisse sind auf „Hello Mister“ beschränkt, meine Indonesischkenntnisse auf die Zahlen, aber gemeinsam haben wir die „Hand“- und Körpersprache. Ausflüge organisieren wir uns mit einem lokalen Taxifahrer, welcher etwas mehr Englisch kann. So führen uns die Exkursionen nicht nur zu den Touristenzielen, sondern auch an andere Orte. Das Einkaufen auf den Märkten ist für Auge und Nase ein Erlebnis. Ich brauche Sachen und Lebensmittel für den täglichen Bedarf. Zum Glück haben wir auf dem Schiff so wenig Platz, dies lässt mich an den (meisten) Souvernierständen vorbei gehen. Ich fühlte  mich in Indonesien auch auf den Märkten oder in den kleinen Läden wohl und hatte nie ein unsicheres Gefühl.

Am 10. August bei Dunkelheit erreichten wir das Cocos Keeling Atoll, welches au-stralisches Territorium ist. Die Einfahrt war, entgegen allen Beschreibungen in der Segelliteratur in Übereinstimmung mit dem GPS. Den definitiven Ankerplatz vor Direction Island konnten wir erst bei Tageslicht ansteuern, da eine untiefe schmale Riffpassage zu durchfahren ist.

Von den hier ankernden Yachtcrews wurden wir willkommen geheissen.

Die Cocos Keeling sind einige grössere Inseln innerhalb eines grossen Atoll-Rings. Auf dem Home Island gibt’s eine muslimische Siedlung mit einem kleinen Laden.  Auf dem West Island leben die Australier und Ausländer, welche für 2-3 Jahre dorthin delegiert werden. Da ist auch der Flugplatz, eine High School und ein oder zwei kleine Hotels, eine Internetmöglichkeit und ein „Supermarkt“. Vom Direction Island Ankerplatz zum Home Island fährt man 25 Minuten mit dem Beiboot, von dort erreicht man in einer 30 Minunten-Fahrt mit einer Fähre das West Island. So gross muss man sich das Atoll vorstellen. Die Landschaft ist wie im Fotobuch: türkisblau Lagune, Riffe zum Tauchen und Schnorcheln, weisser Sandstrand und Palmen. 

Bevor wir in Richtung Mauritius aufbrechen findet am Strand, resp. in einer offen Hütte unter den Palmen, ein BBQ statt. Wir werden verabschiedet und zwei frisch angekommene Yachten begrüsst. An den Dachbalken der Hütte und an den Pfosten hängen originelle „Visitenkarten“ der durchgereisten Yachten. In ein am Strand ge-fundenes Holzstück schnitzten wir „Seven Seas“ und brennen daneben Datum und unsere Namen ein. Wir hängen in guter Gesellschaft mit einer Schweizerfahne und einer Schweizer Flaschenpost.   

Am 16.8. 05 segeln wir bei schönem Wetter aus der Lagune. Die Unterseite der weissen Wolken ist von der Türkisfarbe des Wassers grün gefärbt. Solche Farbver-änderungen am Himmel nutzten die alten Polynesier, um in den Weiten der Meere Inseln zu finden.

Kaum haben wir die Segel gesetzt, zieht im Westen eine dunkle nichts Gutes verheissende Wolkenwand auf. Der Wind frischt auf und die nächsten 7 Tage segeln wir mit Windstärken zwischen 25 bis 35 Knoten. Die Wellen schaukeln sich auf und erreichen nun eine Höhe von 4-6 Metern. Das Kochen wird zum Balanceakt, das Ge-müse fliegt eher durch die Luft zu Boden als in die Pfanne und das Brot im Backofen rutscht hin und her und bekommt eigenartige Formen. Trotz aller Schaukelei schaffe ich es täglich einen frisch zubereiteten warmen „Znacht“ aufzutischen. Das Wetter ist düster, grau in grau hängen die Wolken und Regenschleier. Zudem sind wir meistens nass, sei’s vom Regen oder der Gischt und den Wellen. Nachts ist es so kalt, dass wir sogar eine Mütze brauchen. Manchmal fühle ich mich wie „Lots Weib“ welches zur Salzsäule erstarrte. So habe ich mir den Indischen Ozean nicht vorgestellt, eher blau und sonnig. Nach einer Woche Starkwind gibt’s Flaute und Sonne. Herrlich, endlich kann alles trocknen und wir etwas „ausschnaufen“.  Die Pause ist nur 1½ Tage, dann legt der Wind wieder los, diesmal über Tage mit 30 bis 35 Knoten, in den Böenspitzen bis 45 Knoten. Unsere Segelfläche ist klein, manchmal fahren wir nur mit dem inneren kleinen Kuttersegel,  manchmal zusätzlich noch das doppelt gereffte Grosstuch. Wir surfen auf brechenden Wellenkämmen mit über 10 Knoten. Dann vibriert das ganze Schiff, das Steuer hat keinen Druck und man fühlt sich angehoben wie in einem Lift. Die Wachen sind anstrengend. Wir steuern meistens von Hand, da der Autopilot mit den grossen Wellen zu streng arbeiten muss, d.h. enorm viel Strom konsumiert. Wenigstens guckt die Sonne gelegentlich zwischen den Wolken und Re-genschauern durch. So wirkt alles viel freundlicher. Unsere Tagesetappen sind zwi-schen 170 und 184 Seemeilen und unser nächstes Ziel Mauritius kommt rasch näher. Am 30.8. erreichen wir nach 14 Tagen und 4 Stunden (2422 Seemeilen) Port Louis auf Mauritius.

Das Einklarieren geht langsam, geduldig warten wir auf die verschiedenen Beamten.

Endlich können wir in die Caudan Marina fahren und belegen uns am Quai direkt vor dem Waterfront Hotel. Am Wasser wurden grosszügige Einkaufszentren mit Restaurants, Kinos und Läden gebaut. Alles ist schön und vornehm. Nur wenige Schritte in Richtung Stadt werden die Strassen enger, die Läden klein und die Häuser renovationsbedürftig. In der Markthalle türmen sich das frische Gemüse und die Früchte. Die bunten Farben sind eine Augenweide.

Mauritius ist seit 1968 unabhängig und hat eine eigene Währung. Die offizielle Sprache ist Englisch, aber überall „auf der Strasse“ wird Französisch gesprochen. Die Insel ist sehr fruchtbar und alle Marktprodukte stammen von hier. Zudem wird Zuckerrohr angebaut und zur Rumfabrikation verwendet. Vor einigen Jahren gab es hier eine blühende Textilindustrie, aber die asiatischen Billigimporte haben sogar in diesem Niedriglohn-Land die Fabriken in Bedrängnis gebracht. Einige mussten schliessen, andere kämpfen ums Überleben. Einheimische indischer Abstammung sind die grösste Bevölkerungsgruppe und somit ist auch der Hinduismus die Hauptreligion.

Landschaftlich ist die Insel vielfältig. Sandstrände, fruchtbare Ebenen, zackige Felsspitzen aus dem flachen Land aufragend, bewaldete Berge und eingeschnittene Flussläufe sind zu finden. Unsere 2 tägige Rundfahrt führte uns ins Innere und rund um die Insel.

Am 7.9. wir es Zeit Mauritius zu verlassen und in Richtung Südafrika auszulaufen. Unser Plan ist Durban anzusteuern und von dort bis anfangs Oktober nach Kapstadt weiter zu segeln. Aber häufig kommt es anders als man denkt.

Unser Kurs führt uns mit gutem Abstand südlich an Madagaskar vorbei. Auf keinen Fall wollen wir über das weit nach Süden reichende Madagaskar Shelf segeln, dort kann sich mit viel Wind eine steile See aufbauen. Der Wind ist weniger stark und das Wetter etwas besser als auf der letzten Strecke. Nach 4½ Tagen haben wir die Insel Madagaskar quer ab. Das soll sich bald als Vorteil erweisen. Der Wind drehte häufig mehr nach Osten, so dass wir viel südlicher als geplant segeln. Wir diskutieren schon die Möglichkeit  eventuell den Kurs nach Port Elisabeth abzusetzen, sollten die Wind-verhältnisse dies zulassen. Der Agulhasstrom, eine südwärts laufende warme Strö-mung zwischen Madagaskar und Afrika,  kann im Gebiet zwischen Richards Bay und Port Elisabeth mit bis zu 6 Knoten fliessen. Tiefdruckgebiete kurven häufig ums Kap der Guten Hoffnung und fallen mit Südwestwind-Fronten über die Küste her. Der starke Wind steht dann gegen den Strom, was zu sehr steilen, gefährlichen bis zu 20 m hohen Wellen führen kann.

Auf unseren Wetterkarten sehen wir einen kommenden Frontausläufer, welcher uns dann auch vom 13. auf den 14.9. erreicht. Der Wind legt bis gegen 35 Knoten zu und wir ändern den Kurs mehr nordwärts ( Madagaskar liegt uns nicht mehr im Weg). So ist es logisch den nördlich von Durban liegenden Ort Richards Bay anzulaufen und den Agulhasstrom möglichst rasch zu durchqueren und zu verlassen. Zudem gibt es dort bessere Möglichkeiten das Schiff für einige Monate zu lassen und die Strecke bis nach Kapstadt in den besseren Monaten Januar – März zu segeln.

2 Tage nach dem Frontdurchgang hält ein Riesentanker direkt auf uns zu. Wir neh-men Funkkontakt auf und werden nach unserem Schiffsnamen und Heimathafen befragt. Ein Segelschiff von der Mauritius-Durban-Regatte, welche 3 Tage nach uns gestartet ist, wird vermisst. Alle Schiffe sind aufgefordert Ausschau zu halten und  Hilfe zu leisten. So hat dieser Tanker seinen Kurs geändert, als er ein Segelschiff sah.

Nun sind wir im Zululand Yacht Club von Richards Bay, wo wir herzlich willkommen geheissen wurden und uns sehr wohl fühlen.

Ein erlebnisreiches seglerisch anspruchsvolles Jahr mit 10 996 Seemeilen in knapp 6 Monaten liegt hinter uns.

Nach unserem Schweizer Aufenthalt werden wir im 2006 zuerst das Kap der Guten Hoffnung runden und dann nach Brasilien und weiter in die Karibik segeln.


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