Cook Islands
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Wieder heisst’s Ankerauf und wir segeln aus der blauen Lagune von Bora Bora durch die Riffpassage in den Pazifik hinaus. Unser nächstes Ziel ist Rarotonga, die Hauptinsel in der südlichen Gruppe der Cook Islands. Seit 1965 verwalten sich diese Inseln selbst, nur die Aussenpolitik und Verteidigung wird von Neuseeland wahrgenommen. Die Cook Islander erhalten automatisch einen Neuseeländi-schen Pass.

Auf der Überfahrt ist uns Rasmus nicht immer hold, einigen Stunden müssen wir wegen zu schwachen Winden motoren, was ich zum Brotbacken nutze. Dann kommt Wind auf, das Schiff segelt schräg und nur mit Mühe kann ich das „Geschnetzelte“ auf dem schwingenden Herd vor dem Überschwappen bewahren. Vorsichtshalber, um Verbrennungen vorzubeugen, koche ich auf Fahrt nie ohne eine recht lange Plastikschürze anzuziehen.

Auf den letzten der 556 Seemeilen reduzieren wir unsere Segelfläche, damit wir langsamer werden. Noch ist es dunkel und die Lichter der Insel liegen vor uns, aber an ein nächtliches Durchfahren der aus dem Riff gesprengten Einfahrt in den Hafen von Rarotonga ist nicht zu denken. Bei Tageslicht laufen wir ein. Für das Anlegemanöver hier ist man froh um die Hilfe anderer Segler. Denn es müssen sehr lange Leinen vom Schiff, welches am Buganker liegt, ans untiefe Ufer zu zweifelhaften verroste-ten Ringen oder abgebrochenen Eisen gebracht werden. Mit unserem Tiefgang liegen wir weit vom Ufer, resp. Hafenmauer entfernt.

Die Insel und die Stadt machen einen recht gepflegten Eindruck, viele Anlagen und Gärten wirken parkartig. Es gibt auch Möglichkeiten für Wanderungen, eine führt quer durch die Insel an einer 431 m hohen Felsnase vorbei. Die Wege sind schwierig zu finden, so dass wir auf Empfehlung eines hier lebenden deutschen Arztes den einheimischen Führer „ Pa“ engagieren. Die Wanderung durch die dichte Vegetation zum Aussichtpunkt ist faszinierend, ebenso unser heilpflanzenkundiger und als Heiler praktizierender Führer. Hier auf Rarotonga geboren und aufgewachsen kennt er alle medizi-nisch nutzbaren Pflanzen und kann daraus Heilmittel herstellen. Wir tauschen einige medizinische Erfahrungen aus und haben beide Neues gelernt. Am nächsten Tag brachte er uns eine Riesenladung (32) grosse Papayas. Nachdem ich einige an die Nachbarschiffe verschenkt hatte, blieb uns für die nächste Etappe ein grosser Früchtevorrat. Kreativität war für die Verwertung gefragt. Die Papaya- Wähe mit frisch geraspelten Kokosflocken auf dem Mürbeteigboden war wirklich fein.

Der Wind hat gedreht und ist stärker geworden, der Schwell steht nun voll in den Hafen rein und gemäss Wetterkarten wir es so bleiben. Das heisst für uns, dass es Zeit ist auszulaufen und weiter zu segeln.

Unser Ziel ist das 300 sm nordwestlich gelegene Palmerston Atoll. Wir hoffen, dass der Wind wirklich S-SE bleiben wird, denn dort gibt’s eigentlich nur einen Ankerplatz auf der Westseite des Atolls vor dem Riff. Sollte die Windrichtung ändern, müssten wir an Palmerston vorbeisegeln und Niue anlaufen. Die Windverhältnisse sind ideal. Wir nähern uns in der Dunkelheit Palmerston und laufen in sicherem Abstand vom Riff gegen Westen, bis der Tag anbricht und wir unseren Ankerplatz anlaufen können. Durch den ganz schmalen Pass im Riff kommt ein Einheimischenboot. Wir werden auf Palmerston willkommen geheissen und zum Mittagessen eingeladen. Es ist nicht ratsam den engen, trickigen Pass mit dem Beiboot selbst zu befahren, so werden die ankernden Segler immer ( auf Anruf über den Funk) von den Einheimischen abgeholt.

Auf Palmerston leben ca. 60 Leute, alles Nachfahren eines Mister Marster, der ca. 1860 das Atoll mit seinen drei einheimischen Frauen als Wohnsitz auswählte. Er teilte die Insel und die Motus ( Riffin-seln) in drei Bezirke ein, damit jede Familie einen eigenen Landanteil hatte. Noch heute heissen alle auf der Insel Marster und die Grenzen gelten noch immer. Edward und Simon Marster waren die Gastgeber an Land. Reis und Fisch in verschiedenen Variationen wurden aufgetischt und die Yachties brachten Teigwarensalat, Gratin und Dessert mit. Nach dem Essen durchstreiften wir die Insel und begrüssten weitere Familien. Eine junge Neuseeländerin, verheiratet mit einem Marster ist Lehrerin und hat uns das kleine hübsche Schulhaus/Zimmer gezeigt ( es stehen hier sogar 4 PC Stationen). Die Kinder bis zum Alter von 14 Jahren werden hier unterrichtet, selten wird ein Kind nachher nach Rarotonga in die High School geschickt. Abends werden Kurs für die Erwachsene angeboten und die meisten nutzen die Möglichkeit. Am Nachmittag spielen wir mit den Einheimischen eifrig Volleyball. Nach drei Tagen geht’s weiter und die Einheimischen kommen mit ihren Booten durch den Riffpass um uns zu verabschieden und eventuell den Anker oder die Kette von den Korallenblöcken frei zu machen.

Wir setzen Kurs in Richtung Niue. Vor uns liegen gut 400 Seemeilen. Gemäss Wetterkarten erwarten wir einen Frontdurchgang, der sich mit drehenden Winden ankündigt. Regen und Wind bis gegen 30 Knoten holen uns ein und wir segeln schnell unserm Ziel entgegen. Diese Insel ragt steil mit einer Felsklippe aus dem Meer auf, so dass wir keine vorgelagerten Riffe fürchten müssen und nachts mit Hilfe des Radars vor der Hauptstadt Alofi ankern. Die Front bringt Dauerregen und am nächsten Tag hängen die Wolken tief über der Insel und alles wirkt unfreundlich und der Landgang zum Einkaufen ist nass. Noch immer sind die Schäden des im Januar 04 durchgezogenen Wirbelsturms sichtbar.

Die Wetterkarten zeigen für die nächsten Tage nichts Gutes. Der Wind wird auf N/NW drehen und dann ist dieser Ankerplatz vor der westlichen Steilküste der Insel auf Legerwall. Wir verlassen die Insel am Morgen zusammen mit drei weiteren Schiffen.

Draussen empfängt uns ein Schaumkronen-Meer, wir verkleinern unsere Segelfläche kontinuierlich und laufen, als die Windanzeige 40 und 44 Knoten zeigt, nur noch mit dem Kuttersegel. Das Schiff nimmt die hohen (25-30 Fuss) Wellen sehr gut, wir spüren keine Schläge, es geht einfach auf und ab. Wie wir später erfuhren musste die verbliebenen Schiffe vor Niue notfallmässig auslaufen, sogar unter Zurücklassen des Ankers.

Wir übersegeln wir die Datumsgrenze und lösen das auf unserem Kalender indem wir vom Samstagmorgen gleich auf den Sonntagnachmittag wechseln.

Unser nächstes Ziel das Königreich Tonga liegt jenseits dieser Grenze.

Auf der Südhalbkugel musste ich mich an einige Änderungen gewöhnen. Am Mittag steht die Sonne im Norden, die Tiefdruckgebiete drehen im Uhr-, die Hochs im Gegenuhrzeigersinn und dass die Jahreszeiten „verkehrt“ sind.

Aufgefallen ist mir, dass auf den Cook Islands ( wie auch auf Karibikinseln usw.) östliche Länder wie z.B. China mit Bauen von Infrastruktur und Regierungsgebäuden sehr präsent sind: Stimmenfang für Walfangquoten oder ..... Jedenfalls scheinen diese kleinen Staaten ihre Seele zu verkaufen ( was auch von vielen Einheimischen so empfunden wird).

Am 13.9. erreichten wir wohlbehalten und ohne Schäden am Schiff die Vavau Inselgruppe mit der Stadt Neiafu im Königreich Tonga.

Von Tonga und seinen Gewässern werde ich im nächsten Bericht schreiben.

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