Sint Maarten - Grenada ( 21. Januar - 5. März 2003)
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Nach problemlosem Maststellen, Grosseinkauf und Auffüllen des Diesel- und Wassertanks sind wir bereit zum Auslaufen. Um 11 Uhr können wir durch die Hebebrücke , welche wegen den immer grösseren Motorjachten in den letzten Wochen verbreitert wurde, auslaufen. Wie in den vergangenen Wochen ist der Passat immer noch recht stark, es weht mit 16 bis 20 Knoten. Trotz dem guten Wind machen wir kaum Fahrt, obwohl wir immer wieder den Trimm der Segel optimieren. Im Schmutzwas-ser der Lagune von Sint Maarten hat unser Unterwasser einen Muschel-/Seegrassbart erhalten, welcher unsere Geschwindigkeit massiv bremst. Da wir noch bei Tageslicht in Gustavia der Hauptstadt von St. Barthelemy ankommen wollen, motoren wir ein Stück. Das Hafenbecken ist mitten in der Stadt und wir liegen mit Heck- und Bugboje bestens. Am nächsten Tag kommt ein Taucher und schabt und kratzt während 3 Stunden unser Unterwasser sauber.

St. Barthelemy ist französisches Territorium mit entsprechendem Charme kombiniert mit karibischer Lebensart. Wir mieten einen Smart und entdecken die kleine Insel. Schöne Buchten mit feinen Sand-stränden laden zu einem Bad ein. Die Insel ist eher trocken und mit Buschwerk bewachsen. Die Stras-sen sind, wie auf den meisten Karibikinseln schlecht, enden oft auf einer Anhöhe oder an einer Bucht und ein Gefälle von 17 % ist häufig, man hat das Gefühl einen Sprungschanzenanlauf runterzufahren. Nach 4 Tagen segeln wir nach St. Eustatius ( oder Statia) weiter. Vor der Hauptstadt Oranjestad liegen wir stark rollend an einer Boje. Wie immer vor Anker oder an einer Boje haben wir die Instru-mente eingestellt. Wir rollen die ganze Nacht so stark, dass die Ausschläge des Mastes (dort ist die GPS-Antenne) am Morgen eine zurückgelegte Strecke von 9,6 nm ergeben. Wir besuchen noch das lokale Museum und erkunden den kleinen Ort und legen am Mittag zu unserem nächsten, nahe ge-legenen Ziel, Basseterre auf St. Kitts, ab.

Auf St.Kitts ist wieder ein Landausflug geplant. Wir besteigen durch den Regenwald wandernd den seit 400 Jahren inaktiven Vulkan Mt. Liamuiga mit einer Höhe von 3792 ft. Vom bewaldeten Krater-rand schauen wir ca. 300 m in den mit Büschen und Gras bewachsenen Kratergrund hinunter. Dort unten tummeln sich Affen. Leider sind diese wegen ihrer braun/grünen Tarnfarbe sehr schwierig zu erkennen. Abends gehen wir in der Hauptstadt Basseterre in den Ausgang. Heute wird im einzigen Inselkino ein Film gezeigt. Der Titel "Maid in Manhattan" sagt uns nichts, aber es spielt auch keine Rolle, wir wollen uns überraschen lassen. Billette werden nur für den Balkon verkauft, denn im Parterre hat's keine Stühle, nur "Grümpel". Die Sitze sind wenigstens weich gepolstert. Wir sind die einzigen Fremden und weisshäutigen. Nach der Pause startet der Film seitenverkehrt und auf dem Kopf stehend, die Tonspur stimmt natürlich auch nicht. Der Operator merkt nichts, bis jemand aus dem Publikum hinter die Kulissen geht. Und nun scheint's Probleme zu geben. Erneuter Start, es ist wie gehabt. Es dauert eine Viertelstunde bis jemand gefunden wird, der den Film umspulen kann und nochmals eine Halbestunde bis der zweite Teil des Films über die Leinwand flimmern kann. Wir waren sehr erstaunt wie gelassen alle das über sich ergehen liessen, niemand reklamierte, alle warteten geduldig.

Die nächste Insel Nevis liegt nicht weit weg und der Wind ist für einmal nicht so stark, so dass wir ohne Reff im Grosstuch segeln können. Mit dem Einklarieren wird es schwieriger, das Zollamt im Ort Charlestown ist geschlossen, im weit entfernten Tiefwasserhafen sei's möglich. Dies bedingt eine Taxifahrt für 32 US$. Wir wollen heute Freitag auch gleich für Sonntag ausklarieren, was aber nicht möglich ist. Der Zöllner verspricht, dass er am Samstagmorgen im Stadtbüro sei. Natürlich ist er am Samstagmorgen nicht zu finden und wiederum brauchen wir ein Taxi. Im Rückweg lassen wir uns vom Taxifahrer beim Nelson Museum ausladen. Hier haben Nelson Fans die Familiengeschichte und Gegenstände, Bilder und Schriftstücke dieses berühmten Kapitäns zusammengetragen. Es war recht interessant.

Der nächste Landfall sollte Guadeloupe sein. Die vielen vor uns liegenden Seemeilen erfordern eine sehr frühe Tagwache. Der Wind ist sehr ungleich, mal stark, mal einschlafend und seine Richtung ändert sich zu unseren Ungunsten, so dass wir aufkreuzen müssen. Das bedeutet einen viel längeren Weg und viel mehr Zeit.

So beschliessen wir Monserrat, die Insel mit dem immer noch aktiven Vulkan, anzulaufen. 1995 wurde der Südteil der Insel evakuiert, da der Vulkan zu Grollen und Asche zu spucken begann. 1997 war dann der grosse Vulkanausbruch, der 2/3 der Insel mit Lava und Asche zudeckte. Wir ankern in der Little Bay und können dort einklarieren. Vier verschiedene Büros müssen wir aufsuchen bis alle Formalitäten erledigt waren. Dafür erhalten wir einen äusserst dekorativen Stempel in den Pass. Mit einem Taxi machten wir eine Inselrundfahrt. Der ehemalige Flughafen liegt zum grössten Teil unter Lava begraben, noch ein kleines Stück Landepiste und der Tower stehen dort. Zwischen erstarrten Lava- und Aschenströmen sieht man auf nicht zugeschütteten Hügeln Bäume und Häuser. 8 Dörfer und Städte, darunter die Hauptstadt Plymouth, wurden zerstört. Am Rande der verbotenen Zone ( der zerstörte Teil der Insel darf aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden) wurde ein Observatorium gebaut, wo von Fachleuten die Aktivität des Vulkans überwacht wird. Währenddem wir dort standen hörten wir den Vulkan grollen und nach einer Detonation stob Asche die Vulkanflanken abwärts (sah aus wie eine Staublawine in den Bergen). Unser Taxifahrer zeigte in ein Tal neben dem Vulkan: dort sei er aufgewachsen. Ich bin beeindruckt, wie die Einheimischen die Tatsache, dass ihre Häuser zerstört wurden und sie nicht mehr dorthin zurück können, tragen. Im sicheren Nordteil sind neue Siedlungen gebaut worden. Wahrscheinlich haben sie jetzt komfortablere Häuser, aber ob das wirklich ein Ersatz fürs Verlorene ist, bezweifle ich. Vor dem Vulkanausbruch wohnten ca. 12000 Menschen auf der Insel, jetzt noch 4500, knapp genug um die Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Die Insel kann nur mit dem Schiff erreicht werden, immer heisst es, dass der neue Flugplatz dann im nächsten Jahr fertig sein wird. Die Inselbewohner haben einen britischen Pass und erhalten von England auch Unterstützung. Monserrat mit dem fruchtbaren grünen Nordteil, dem aktiven und unheilbringenden Vulkan hat mich tief beeindruckt und fasziniert.

Bei wechselnden Winden erreichen wir die Bucht von Deshaïes (Guadeloupe). Es ist gut zu wissen, dass unser Anker hält, die nächtlichen Böen erreichen Spitzen von über 30 Knoten.

In Point-à-Pitre, der Hauptstadt von Guadeloupe liegen wir im Hafen Bas du Fort sicher und gut am Steg. Hier treffen wir viele andere Schweizer Schiffe, auch Bekannte vom Zürichsee.

Wieder mieten wir ein Auto, um die Insel zu erkunden. Der Ostteil (Grande-Terre) ist flach und trocken mit schönen Sandstränden und wilden Felsformationen am Ostende. Der Westteil (Basse-Terre) erhält wegen den recht hohen Bergen viel Regen. Dichter Regenwald, Wasserfälle mit "Schwimmbecken" sind die Inselatraktionen und sumpfig "schlipferige" Wanderwege führen auf die Gipfel. Für unsere Wandersandalen ist der Weg wenig geeignet, so dass wir auf einen Gipfelsturm verzichten. Wir finden einen anderen Aussichtspunkt und können die Nachbarinseln Les Saintes wunderbar sehen.

Wenige Tage später fällt unser Anker vor Bourg des Saintes. Noch immer sind wir auf französischem Boden und der Ort ist gepflegter als die meisten karibischen Städtchen. Das Fort Napoleon ist schön restauriert und gleichzeitig wurde auf den Schanzen eine Art botanischer Garten angelegt.

Bevor wir unsern Anker aufholen werden wir Zeuge, wie ein anderes Schiff auf Drift geht (dort ist niemand an Bord). Mit Hilfe der Crew vom übernächsten Schiff gelingt es uns auf das driftende Schiff zu gelangen und dessen Anker neu zu setzen.

Gute bis sehr gute Winde tragen uns zur Insel Dominica. Diese Insel ist am wenigsten touristisch erschlossen. Vor der Hauptstadt Roseau bietet uns ein einheimischer Bootsmann eine Boje zum Festmachen an. Diese scheint neu und gut unterhalten, so dass wir diese benutzen und nicht unseren Anker. Dominica ist eine sehr fruchtbare Insel mit üppiger Vegetation. Riesige hochstämmige Bäume mit Stelzwurzeln, unter denen wir Durchspazieren können, riesige Philodendren mit hängenden Luft-wurzeln und Blättern mit einem Durchmesser von 1 Meter bilden ein dichtes Blätterdach. Mangobäume blühen oder tragen Früchte. Papaya- und Brotfruchtbäume, verschiedenste Sorten Zitrusfrüchte, Bananen und Kaffestauden wachsen entlang der Strasse. Wir kaufen bei einem ein-heimischen Bauern 15 Grapefruits für 2 EC$ (ca. Sfr 1.20).

Martinique empfängt uns kurz vor der Einfahrt nach Le Marin mit einer Regenfront und Nullsicht. Zum Glück kennen wir die Betonnung und die verschlungene Einfahrt von unserem letzten Aufenthalt her. (Hier war unser Ziel nach der Atlantiküberquerung). Einige Tage verbringen wir in Le Marin zum Einkaufen, Wasser bunkern und Wäsche waschen. Ich entdecke einen Laden mit den typischen bunt-karrierten karibischen Stoffen und kann nicht widerstehen mir solche zu kaufen, um wieder einmal Kleider nähen zu können (eine Nähmaschine habe ich an Bord).

Die nächsten Inseln und Ankerbuchten haben wir schon, mit wenig Ausnahmen, vor einem Jahr besucht, wie die Rodney und Marigot Bay auf St. Lucia. Es fällt uns auf, dass es weniger Schiffe hat als im letzten Jahr. Wir finden ohne Probleme eine Mooringboje bei den Pitons. Der grosse und kleine Piton ragen steil wie der grosse und kleine Mythen in den Himmel und ich wundere mich, wie wir im letzten Jahr den kleinen Piton erklimmen konnten. Die Cumberland Bucht von St. Vincent ist unser nächstes Ziel, wo wir uns mit Buganker und Heckleine an einer Palme belegen. Die 38 nm von St. Lucia in die Bucht waren wieder schnell gesegelt. Der Wind war recht böig, jedenfalls benützten wir für einmal neben dem gerefften Grosstuch das Kutter Segel. Die Wallilabou Bay, wo man normalerweise einklarieren muss, ist gesperrt da dort im Moment der Walt Disney Film 'The Pirates of the Caribbean', gedreht wird und eine ganze Stadt aufgebaut ist und ein Piratenschiff hinter den Felsen versteckt liegt. Aber es hat ja immer sehr hilfreiche Einheimische, welche neben dem Anbinden der Boote an den Baum für 10 EC$ auch einen Transport nach Barrouallie zum Einklarieren anbieten.

Am folgenden Tag unternehmen wir eine lange Wanderung ins Landesinnere und wieder begegnen wir reicher Vegetation.

Vom Long Island Cut müssen wir zum Einkaufen in die Hauptstadt Kingtstown. Mit vollen Rucksäcken beigen wir uns auch noch ins Sammeltaxi, obwohl schon mindestens 15 andere Fahrgäste drin sind. Und ab geht die Fahrt der kurvenreichen Küstenstrasse entlang, aufwärts und steil abwärts. Eine Fahrt auf einer "Chilbi-Achterbahn" ist dagegen direkt gemütlich.

In Bequia und in den Tobago Cays ankern wir je eine Nacht. In Unions Island (Cliffton) können wir wieder ausklarieren. Wir wollen auch noch neue Ankerplätze ansteuern und segeln die kurze Strecke zwischen den Riffen durch nach Petit St. Vincent. Dort fällt der Anker in türkisblaues Wasser. Das Wasser, in dem wir ausgiebig schnorcheln ist jetzt schon so warm, dass es kaum Abkühlung bringt.

Vor der Hauptstadt Hillsborough auf Carriacou ankern wir bei viel Wind und Schwell, um wieder die Administration des Anmeldens über uns ergehen zu lassen. Dann Segeln wir ein Stück weiter bis in die besser geschützte Tyrell Bucht. Es beginnt schon zu Dämmern, als wir zwischen den anderen An-kerliegern einen Platz suchen.

Kurz vor Grenadas Hauptstadt St. George's ankern wir nochmals in der Grand Mal Bucht, um dann am nächsten Tag unsere Destination: Spice Island Service Marina in der Prickly Bay zu erreichen. Hier werden wir etwas länger bleiben.

Einmal einige Bemerkungen zum Kochen und Essen. Ich finde es spannend auf den Märkten und einheimischen Läden nach unbekanntem Gemüse und Früchten zu schauen. Manchmal habe ich keine Ahnung, ob es ein Gemüse oder eine Frucht ist und was ich daraus machen kann. Die Markt-frauen erklären es mir so gut es geht. Auf Nevis habe ich in einem kleinen Laden ein Buch mit einheimischen Rezepten gefunden, jetzt wird experimentiert. Aus Kochbananen (Plantaines oder green bananas) gibt's feine Aufläufe oder sie werden unter den Reis oder anderes Gemüse gemischt. Die Süsskartoffeln schmecken ausgezeichnet und aus Kürbis gibt's Gnocchi und Füllungen für eine Art Krapfen. Yamswurzeln, Brotfrucht und Dashee ersetzen oft die Kartoffeln. Einige Früchte, wie z.B. Papaya werden auch als Gemüse verwendet, Die grün-stachlige Soursop (mit weissem Fleisch und schwarzen Kernen im Innern) ist sowohl zum Essen, wie auch als Grundlage für Getränke oder Sorbet, sehr fein. Kokosmilch und Kokosraspel werden oft zum Gemüse oder Reis (nicht nur zum Dessert) beigemischt. Die Küche wird viel mehr vegetarisch, denn das angebotene Fleisch sieht oft nicht sehr "gluschtig" aus oder ist tiefgefroren und der Transport aufs Schiff in der Hitze nicht immer genügend schnell. Wenn wir unterwegs sind gibt’s auch mal einen frischen Fisch. Ich muss mich noch daran gewöhnen, dass der Fisch eben nicht wie zu Hause schön präpariert und pfannenfertig ange-liefert wird.

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